Glossar
Grenzstein: Abmarkung und rechtlicher Schutz der Flurstücksgrenze
Grenzsteine sichern die Flurstücksgrenze sichtbar im Gelände. § 919 BGB regelt die Mitwirkungspflicht, § 274 StGB stellt das Verrücken unter Strafe.
Aktualisiert am 24.05.2026 · Fachlich geprüft am 24.05.2026
Definition
Ein Grenzstein ist ein amtliches Abmarkungszeichen, das eine festgestellte Flurstücksgrenze im Gelände sichtbar macht. Grenzzeichen können aus Stein, Beton, Metall oder einem anderen zugelassenen Material bestehen.
Maßgeblich ist nicht die Form des Grenzsteins, sondern die amtlich festgestellte und im Liegenschaftskataster nachgewiesene Grenze. Wer einen Grenzstein eigenmächtig versetzt, entfernt oder unkenntlich macht, ändert den Grenzverlauf nicht. Das kann den Beweiswert des Grenzzeichens beeinträchtigen und nach § 274 Abs. 1 Nr. 3 StGB strafbar sein, wenn dies in der Absicht geschieht, einem anderen einen Nachteil zuzufügen. Grundstückskäufer sollten fehlende oder widersprüchliche Grenzzeichen vor Kauf oder Bauplanung je nach Bundesland durch die zuständige Vermessungsbehörde oder einen öffentlich bestellten Vermessungsingenieur klären lassen.
Rechtsgrundlage
Nach § 919 BGB kann jeder Nachbar verlangen, dass die Grenze durch feste Grenzzeichen kenntlich gemacht oder ein verrückter Grenzstein wiederhergestellt wird. Die Kosten tragen die Nachbarn anteilig, soweit nichts anderes vereinbart ist.
Wer einen Grenzstein wegnimmt, vernichtet, unkenntlich macht oder verrückt, macht sich nach § 274 Abs. 1 Nr. 3 StGB strafbar. Die Vorschrift schützt das Grenzzeichen ausdrücklich als Beweismittel und nicht als Sachwert. Die Verfahren und Gebühren der Abmarkung ergeben sich daneben aus den Vermessungsgesetzen der Länder.
Ist das ein Problem beim Kauf?
Vor dem Kauf sollten Sie prüfen, ob die im Gelände sichtbaren Grenzzeichen mit dem aktuellen Liegenschaftsplan und der Flurkarte übereinstimmen. Fehlende, beschädigte oder verschobene Steine deuten auf einen ungeklärten Grenzverlauf hin und können spätere Zaun-, Mauer- oder Bauplanungen behindern.
Bei Zweifeln am Grenzverlauf empfiehlt sich eine Grenzfeststellung durch einen ÖbVI vor Notartermin oder Baubeginn. Eine rechtssichere Klärung im Vorhinein ist deutlich günstiger als ein späterer Rückbau einer zu nah gesetzten Mauer oder ein Streit mit dem Nachbarn vor dem Amtsgericht.
Verwandte Begriffe
- Glossar
Flurstück
Das Flurstück verbindet Kataster, Grundbuch, Karte und amtliche Grundstücksdaten. Vor dem Kauf zählen Nummer, Zuschnitt und Lage.
- Glossar
Vermessungsingenieur
Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure (ÖbVI) führen Grenz-, Teilungs- und Gebäudeeinmessungen mit Beurkundungsfunktion durch.
- Glossar
Liegenschaftskataster
Liegenschaftskataster erklärt: Welche Angaben zu Flurstück, Fläche und Nutzung drinstehen und warum Eigentümerdaten ins Grundbuch gehören.
Quellen
Grundradar erläutert Abmarkung und Grenzstein-Schutz redaktionell. Eine rechtssichere Grenzfeststellung erfolgt ausschließlich durch die zuständige Vermessungsbehörde oder einen ÖbVI.