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Datenstudie · Amtliche Bodenrichtwerte · Landkreis Ahrweiler

Nach der Ahrflut: In den nicht überfluteten Nachbargemeinden stiegen die Bodenrichtwerte 79 Prozent schneller als in den überfluteten Ortschaften

BORIS RLP & NRW · Jahrgänge 2014, 2016, 2018, 2020, 2022, 2024, 2026

Die Auswertung beschreibt die relative Entwicklung amtlicher Lagewerte im selben Landkreis. Sie misst keinen Verkehrswert einzelner Grundstücke.

Kernaussagen

  • Von 2020 bis 2026 stiegen die amtlichen Wohn-Bodenrichtwerte in den nicht überfluteten Gemeinden des Landkreises Ahrweiler um 40,2 Prozent und in den überfluteten Gemeinden um 22,4 Prozent. Die nicht überflutete Gruppe stieg damit 79 Prozent schneller.

  • Vor der Flut entwickelten sich beide Gruppen nahezu identisch. Von 2014 bis 2020 verliefen die Linien weitgehend deckungsgleich. Erst nach Juli 2021 beginnen sich ihre Werte unterschiedlich zu entwickeln.

  • Der Unterschied zeigt sich sofort. Bereits bis 2022, im ersten Jahrgang nach der Flut, stiegen die Werte in den nicht überfluteten Gemeinden um 24,0 Prozent und in den überfluteten um 9,4 Prozent. 2026 ist die Kluft größer als je zuvor.

  • Welche Gemeinden überflutet waren, bestimmt die amtliche Copernicus-Flutkarte (EU-Notfallkartierung EMSR517), abgeglichen mit den Gemeindegrenzen.

  • Der festgestellte Rückstand ist statistisch signifikant und bleibt bei jeder geprüften Abgrenzung der Vergleichsgruppe bestehen.

Nicht überflutet+40,2 %2020–2026
Überflutet+22,4 %2020–2026
Wachstum79 Prozent schnellernicht überflutete Gemeinden 2020–2026
Vor der Flut2014–2020 parallelkein Unterschied vor der Flut

Kurzfassung

Welche Gemeinden überflutet waren, bestimmt die amtliche Copernicus-Flutkarte (EU-Notfallkartierung EMSR517), abgeglichen mit den Gemeindegrenzen. Für beide Gruppen bildet die Auswertung die Wertentwicklung ab dem Startjahr 2020 ab (geometrischer Index). Ob der Unterschied zwischen ihnen rechnerisch mit der Flut zusammenhängt, prüft zusätzlich eine statistische Rechnung (Differenz-in-Differenzen-Regression), die die Entwicklung beider Gruppen vor und nach der Flut miteinander vergleicht.

Bis 2020 entwickelten sich beide Gruppen nahezu identisch. Danach stiegen die überfluteten Gemeinden um 22,4 Prozent und die nicht überfluteten um 40,2 Prozent. In Euro entspricht das: überflutete Gemeinden von rund 59 auf 72 €/m², nicht überflutete Gemeinden von rund 58 auf 81 €/m². Diese Kluft entsteht mit dem Flutjahr und bleibt über alle Robustheitsprüfungen hinweg bestehen. Der Befund beschreibt einen relativen Unterschied innerhalb desselben Landkreises, nicht den Wertverlust einzelner Grundstücke.

Daten und Methode

Die Auswertung teilt die Gemeinden des Landkreises Ahrweiler in zwei Gruppen. Als überflutet gelten die 15 Gemeinden, die innerhalb der von der Flut betroffenen Fläche der Copernicus-Notfallkartierung EMSR517 liegen (Flutpolygon). Die Vergleichsgruppe umfasst die 32 übrigen Gemeinden, für die eine durchgehende Reihe der Wohn-Bodenrichtwerte vorliegt.

Für jede Gruppe berechnet die Auswertung den mittleren Wohn-Bodenrichtwert (geometrisches Mittel) und setzt das Jahr 2020 als Ausgangspunkt auf 100. So lässt sich die Veränderung ab demselben Startjahr ablesen. Der Index zeigt die prozentuale Entwicklung, nicht den absoluten Preisunterschied zwischen den Gemeinden.

Remagen liegt am Rand der Kartierung und wird deshalb außerhalb beider Gruppen einzeln geführt. Bad Breisig ist als Rheinort ausgeschlossen. Zusätzlich zeigt die Studie die drei großen Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Remagen als eigene Verläufe. Kontext zu den amtlichen Bodenrichtwerten bieten die Übersichtsseiten für Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Zur vollständigen Methodik

Ergebnisse: Vor der Flut gleichauf, danach wachsender Rückstand der Flutorte

Der Index vergleicht beide Gruppen über den gesamten Zeitraum. Bis 2020 liegen die Linien praktisch aufeinander, danach beginnen sich ihre Werte unterschiedlich zu entwickeln. Die überfluteten Gemeinden erreichen 2026 den Indexwert 122,4, die nicht überfluteten 140,2.

Abbildung 1 zeigt damit den Bruch in der Entwicklung, nicht den Preis eines einzelnen Grundstücks. Entscheidend ist die Wertentwicklung nach der Flut: Die nicht überflutete Gruppe steigt 79 Prozent schneller.

Abbildung 1 · Liniendiagramm · Index 2020 = 100

„Vor der Flut gleichauf, danach wachsender Rückstand der Flutorte.“

Geometrischer Mittelwert der Wohn-Bodenrichtwerte. 2020 ist für beide Gruppen auf 100 gesetzt.

überflutet · 15 Gemeindennicht überflutet · 32 GemeindenFlut 14./15. Juli 2021
901001101201301402014201620182020202220242026Flut 14./15. Juli 2021vor der Flut parallel140,2nicht überflutet122,4überflutet

Endstand 2026: überflutete Gemeinden 122,4, nicht überflutete Gemeinden 140,2. Die nicht überflutete Gruppe stieg 79 Prozent schneller.

Quelle: grundradar.deStand 02.07.2026
Geometrischer Mittelwert der Wohn-Bodenrichtwerte
JahrÜberflutetNicht überflutetGeom. € überflutetGeom. € nicht überflutet
201488,588,452,2 €/m²51,2 €/m²
201689,990,953 €/m²52,6 €/m²
201892,693,354,6 €/m²54,1 €/m²
202010010059 €/m²57,9 €/m²
2022109,412464,5 €/m²71,8 €/m²
2024112,312666,2 €/m²73 €/m²
2026122,4140,272,2 €/m²81,2 €/m²

Grundlage der Auswertung: 15 überflutete und 32 nicht überflutete Gemeinden

Abbildung 2 verortet die Gruppierung im Landkreis. Grün steht für die 15 überfluteten Gemeinden, grau für die 32 nicht überfluteten Gemeinden und blau für die drei einzeln geführten Städte. Die Karte beschriftet zur Orientierung nur einige Orte; alle übrigen Gemeinden erscheinen als Punkte. Die Karte zeigt die Studienzuordnung, nicht die amtliche Flutfläche selbst.

Abbildung 2 · Übersichtskarte · Kreis Ahrweiler

„Grundlage der Auswertung: 15 überflutete und 32 nicht überflutete Gemeinden“

Die Einstufung folgt dem Copernicus-Flutpolygon und den dokumentierten Adjudikationen.

überflutet · 15nicht überflutet · 32Einzelverläufe · 3Ahr
RheinAhrNSchuldAhrbrückAltenahrDernauBad Neuenahr-AhrweilerSinzigRemagenKreis AhrweilerRheinland-Pfalz · schematischüberflutet · 15nicht überflutet · 32Einzelverläufe · 3

Schematische Lage · Norden oben. Die Karte beschriftet zur Orientierung nur einige Orte; alle übrigen Gemeinden erscheinen als Punkte.

Quelle: grundradar.deStand 02.07.2026

Die drei großen Städte im Einzelverlauf

Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig liegen innerhalb der von der Flut betroffenen Fläche (Flutpolygon) und gehören deshalb zur überfluteten Gruppe. Sie werden zusätzlich einzeln dargestellt, weil im Index jede Gemeinde gleich zählt, unabhängig von ihrer Größe. Ohne diese Einzeldarstellung wäre die Entwicklung der drei großen Städte in der Vielzahl der kleineren Gemeinden nicht mehr erkennbar.

Remagen wurde im Ortsteil Kripp tatsächlich überflutet, liegt aber außerhalb der von Copernicus kartierten Fläche. Nach der objektiven Zuordnungsregel lässt sich Remagen deshalb keiner der beiden Gruppen zurechnen und wird separat geführt.

Bei den drei großen Städten stiegen die Bodenrichtwerte nach der Flut etwa so stark wie in der nicht überfluteten Gruppe. Der Rückstand der überfluteten Gemeinden geht damit vor allem auf die kleineren Orte zurück. Daraus folgt: Rechnet man die großen Städte, deren Werte kaum zurückblieben, in die überflutete Gruppe mit ein, fällt deren gemessener Rückstand milder aus, als er in den kleinen Orten tatsächlich ist. Der eigentliche Effekt in den kleinen, stark getroffenen Gemeinden ist also größer, als es der Durchschnitt der gesamten Gruppe zeigt.

Abbildung 3 · Liniendiagramm · Einzelverläufe

„Die Studie zeigt die drei großen Städte zusätzlich einzeln.“

Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig bleiben in der überfluteten Gruppe. Remagen wird außerhalb beider Gruppen einzeln geführt.

Bad Neuenahr-AhrweilerSinzigRemagenFlut Juli 2021
1001101201301401502020202220242026FlutBad Neuenahr 140,4Sinzig 135,7Remagen 147,1Einzelverläufe, 2020 = 100

2020 = 100. Bad Neuenahr-Ahrweiler endet bei 140,4, Sinzig bei 135,7, Remagen bei 147,1.

Quelle: grundradar.deStand 02.07.2026

HQ100-Lagen vor der Flut: kein pauschaler Preisabschlag in den amtlichen Werten

Die HQ100-Zonen stammen aus den gesetzlichen Hochwassergefahrenkarten. Sie kennzeichnen Flächen, für die statistisch etwa alle 100 Jahre ein Hochwasser zu erwarten ist (HQ100). Sie zeigen also das amtlich ausgewiesene Risiko und nicht die tatsächlich überflutete Fläche vom Juli 2021.

In vier Gemeinden des Landkreises Ahrweiler, die genügend Zonen sowohl innerhalb als auch außerhalb dieser Risikoflächen aufweisen, lagen die hochwassernahen Wohnzonen im Jahr 2020 im Median bei 161,2 €/m², die Zonen außerhalb bei 155 €/m². Aussagekräftiger ist der Vergleich innerhalb jeder einzelnen Gemeinde: Über alle vier Gemeinden hinweg lagen die hochwassernahen Zonen im Median 19,8 Prozent höher. Ein pauschaler Preisabschlag für die Nähe zur Hochwasserzone ist in den amtlichen Werten vor der Flut also nicht erkennbar.

Vor der Flut waren Wohnlagen nahe der HQ100-Zone in vier geprüften Gemeinden nicht günstiger als solche außerhalb der Hochwasserzone.
Bad Breisig140 €/m² HQ100-nah · 115 €/m² außerhalb · n=5/9+21,7 %
Bad Neuenahr-Ahrweiler325 €/m² HQ100-nah · 240 €/m² außerhalb · n=10/53+35,4 %
Remagen157,5 €/m² HQ100-nah · 170 €/m² außerhalb · n=6/30-7,4 %
Sinzig165 €/m² HQ100-nah · 140 €/m² außerhalb · n=4/51+17,9 %
Abbildung 4 · Gruppierte Balken · Median 2020 €/m²

„Vor der Flut waren Wohnlagen nahe der HQ100-Zone in vier geprüften Gemeinden nicht günstiger als solche außerhalb der Hochwasserzone.“

Die Balken vergleichen hochwassernahe Wohnzonen mit Zonen außerhalb der HQ100-Zone. Remagen ist der Gegenfall.

hochwassernah (HQ100)außerhalb der ZoneGegenfall
0100200300140115+21,7 %Bad Breisig325240+35,4 %Bad Neuenahr-Ahrweiler157,5170-7,4 %RemagenGegenfall165140+17,9 %Sinzig

19,8 Prozent ist der Median der vier Ortsvergleiche. Remagen kehrt das Muster mit -7,4 % um.

Quelle: grundradar.deStand 02.07.2026

Alle Gemeinden im Detail: amtliche Mediane und Gruppenzuordnung

Die Tabelle listet jede Gemeinde des Datensatzes auf. Die Spalte "Gruppe" zeigt, wie die jeweilige Gemeinde in der Auswertung behandelt wird: ob sie in den Index einfließt, separat als Einzelverlauf geführt wird oder mangels durchgehender Datenreihe ausgeschlossen ist.

Gruppen: überflutet = Copernicus-Flutpolygon; nicht überflutet = übrige Ahrweiler Gemeinden mit vollständiger Reihe; einzeln geführt = außerhalb beider Gruppen separat gezeigt; ausgeschlossen = Randfall oder unvollständige Reihe.

AhrbrückCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet1.14338,5 €/m²42 €/m²+9,1 %
AltenahrCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet1.524100 €/m²100 €/m²0 %
AntweilerCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet50338 €/m²50 €/m²+31,6 %
Bad Neuenahr-AhrweilerCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet27.271260 €/m²365 €/m²+40,4 %
DernauCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet1.388150 €/m²170 €/m²+13,3 %
DümpelfeldCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet55919 €/m²20 €/m²+5,3 %
HönningenCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet1.03665 €/m²75 €/m²+15,4 %
InsulCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet47041 €/m²65 €/m²+58,5 %
MayschoßCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet781100 €/m²130 €/m²+30 %
MüschCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet17326 €/m²28 €/m²+7,7 %
RechCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet53090 €/m²100 €/m²+11,1 %
ReifferscheidCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet49533 €/m²45 €/m²+36,4 %
SchuldCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet61143 €/m²50 €/m²+16,3 %
SinzigCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet17.213140 €/m²190 €/m²+35,7 %
WinnerathCopernicus EMSR517 Flutpolygonüberflutet19227 €/m²38 €/m²+40,7 %
Adenaukeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet2.94870 €/m²85 €/m²+21,4 %
Arembergkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet20231 €/m²50 €/m²+61,3 %
Bergkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.29575 €/m²100 €/m²+33,3 %
Brohl-Lützingkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet2.55772,5 €/m²105 €/m²+44,8 %
Burgbrohlkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet3.24865 €/m²85 €/m²+30,8 %
Dedenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet48960 €/m²85 €/m²+41,7 %
Gleeskeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet57067,5 €/m²120 €/m²+77,8 %
Gönnersdorfkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet64180 €/m²95 €/m²+18,8 %
Grafschaftkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet10.960180 €/m²260 €/m²+44,4 %
Heckenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet23930,5 €/m²37,5 €/m²+23 %
Hohenleimbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet37135 €/m²60 €/m²+71,4 %
Kalenbornkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet732130 €/m²225 €/m²+73,1 %
Kaltenbornkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet35345 €/m²45 €/m²0 %
Kempenichkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.89155 €/m²70 €/m²+27,3 %
Kesselingkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet55345 €/m²47,5 €/m²+5,6 %
Königsfeldkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet68985 €/m²125 €/m²+47,1 %
Leimbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet43544 €/m²50 €/m²+13,6 %
Lindkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet56250 €/m²60 €/m²+20 %
Müllenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet50640 €/m²50 €/m²+25 %
Niederdürenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet97065 €/m²95 €/m²+46,2 %
Niederzissenkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet2.70275 €/m²130 €/m²+73,3 %
Oberdürenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet67255 €/m²115 €/m²+109,1 %
Oberzissenkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.10960 €/m²115 €/m²+91,7 %
Ohlenhardkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet13035 €/m²40 €/m²+14,3 %
Rodderkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet23733 €/m²40 €/m²+21,2 %
Schalkenbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet82462,5 €/m²80 €/m²+28 %
Spessartkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet85140 €/m²55 €/m²+37,5 %
Waldorfkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet88580 €/m²115 €/m²+43,8 %
Wassenachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.24380 €/m²120 €/m²+50 %
Wehrkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.14162,5 €/m²100 €/m²+60 %
Weibernkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet1.52870 €/m²90 €/m²+28,6 %
Wimbachkeine Copernicus-Überschneidung; Landkreis Ahrweilernicht überflutet42338 €/m²65 €/m²+71,1 %
RemagenAOI-Grenze: Kripp überflutet, aber außerhalb der Copernicus-Flächeeinzeln geführt17.599170 €/m²250 €/m²+47,1 %
Bad BreisigRhein-Rückstau; nicht als Ahrtal-Flutung gezähltausgeschlossen9.570117,5 €/m²150 €/m²+27,7 %
Wershofenkeine vollständige BORIS-Zeitreihe 2020–2026ausgeschlossen915---

Limitationen

Die Studie wertet amtliche Bodenrichtwerte aus, keine Kaufpreise, Gebäudezustände oder Versicherungsdaten. Ein Bodenrichtwert ist ein zonaler Lagewert in Euro je Quadratmeter und nicht der Verkehrswert eines einzelnen Grundstücks. Rheinland-Pfalz veröffentlicht ihn nur alle zwei Jahre und in Schritten von 5 Euro. Einen Jahrgang 2021 gibt es nicht. Diese Lücke betrifft beide Gruppen gleichermaßen und verzerrt den Vergleich deshalb nicht.

Der Index gewichtet jede Gemeinde gleich. Ein Dorf mit 200 Einwohnern zählt darin so viel wie Bad Neuenahr-Ahrweiler. Diese Größenunterschiede fängt die Einzeldarstellung der drei großen Städte auf.

Die Vergleichsgemeinden liegen im selben Landkreis wie die Katastrophe. Verlagerte Nachfrage aus den überfluteten Orten kann ihre Werte zusätzlich gehoben haben, und die Aufbauhilfe kam dem gesamten Kreis zugute. Der Befund beschreibt deshalb den Abstand zu den nicht überfluteten Gemeinden desselben Kreises und nicht einen absoluten Fluteffekt.

Bund und Länder errichteten 2021 den Wiederaufbaufonds „Aufbauhilfe 2021“ mit bis zu 30 Mrd. Euro für Wiederaufbau und Entschädigung (Bundesregierung). Rheinland-Pfalz meldete zum 30.04.2026 rund 3,6 Mrd. Euro an bewilligten Mitteln, zugleich blieben Hürden bestehen (Land Rheinland-Pfalz). Auch die Forschung zu Hochwasser und Immobilienpreisen belegt räumliche Preisübertragungen zwischen betroffenen und benachbarten Lagen (Journal of Housing Research, Pommeranz/Steininger 2020).

Bodenrichtwerte sind die trägste amtliche Preisreihe. Sie werden geglättet und folgen den tatsächlichen Kauffällen mit Verzögerung. Dass sich in dieser Reihe binnen fünf Jahren ein so klarer Bruch zeigt, spricht dafür, dass der tatsächliche Markteffekt mindestens ebenso groß ist. Der Befund ist damit eher eine Untergrenze als eine Übertreibung.

Für diese Daten ist der Befund robust, weil die beiden Gruppen sich vor der Flut nahezu identisch entwickelten und der Abstand über alle Prüfungen stabil bleibt. Eine allgemeine ursächliche Aussage über Hochwasser und Bodenwerte ist er jedoch nicht.

Vollständige Methodik

Diese Methodik dokumentiert Quellen, Gruppierung, Adjudikationen, Kontrollgruppe, Robustheit und Zitierhinweise zur Studie. Sie gehört zur Studie selbst, damit alte externe Methodik-Links und die zitierfähige Langfassung denselben Stand zeigen.

Studiendesign

Die Studie vergleicht überflutete Gemeinden mit nicht überfluteten Gemeinden desselben Landkreises. Sie misst die Entwicklung amtlicher Wohn-Bodenrichtwerte, nicht den Verkehrswert einzelner Grundstücke.

Der Index nutzt den geometrischen Mittelwert je Gruppe und setzt 2020 auf 100. Dadurch beschreibt er die Veränderung seit demselben Startjahr.

Quellen und Lizenzen

Die veröffentlichten Tabellen enthalten Werte je Gemeinde. Die amtlichen Eingangsdaten behalten ihre jeweiligen Lizenzbedingungen.

Adjudikationen

Die Copernicus-Flutfläche liefert die Grundzuordnung. In den folgenden Fällen war zusätzlich eine dokumentierte Einzelentscheidung nötig.

  • Remagen wurde am Ortsteil Kripp an der Ahrmündung überflutet, liegt aber außerhalb des kartierten Gebiets. Der Ort wird deshalb aus beiden Gruppen herausgenommen und einzeln geführt.
  • Bad Breisig erscheint im Flutpolygon nur durch Rhein-Rückstau, nicht durch die Ahr. Der Rheinort wird ausgeschlossen.
  • Antweiler, Reifferscheid und Winnerath liegen als kleine Oberlauf-Gemeinden innerhalb des Flutpolygons und haben Daten. Die Prüfung bestätigt sie in der Gruppe der überfluteten Gemeinden.
  • Wershofen hat keine vollständige BORIS-Zeitreihe 2020–2026 und wird deshalb ausgeschlossen; eine Gemeinde ohne durchgehende Datenreihe lässt sich nicht indexieren.

Diese Entscheidungen erweitern die amtliche Flutfläche nicht. Sie korrigieren nur ihre bekannten Randfälle.

Abgrenzung: Kreis Euskirchen

Der Kreis Euskirchen war vom selben Ereignis im Juli 2021 betroffen, gehört aber nicht zum Ahr-Index. Dort betraf die Flut vor allem die Flüsse Erft und Swist. Außerdem liegen die Bodenrichtwerte in Nordrhein-Westfalen in jährlichen Jahrgängen vor und nicht wie in Rheinland-Pfalz nur alle zwei Jahre.

In dieser getrennten Prüfung zeigen die überfluteten Orte keinen dauerhaften Rückstand gegenüber der Vergleichsgruppe. Über die Ursache trifft die Studie dazu keine Aussage. Sie legt diese Abgrenzung offen, statt den Befund zu Erft und Swist mit dem Ahr-Index zu vermischen.

Reproduzierbarkeit

Die Kernregel lässt sich aus dem CSV-Download prüfen. Für jedes Jahr wird der geometrische Mittelwert der Gemeinde-Mediane berechnet und auf 2020 rebasiert.

index_y = exp(avg(ln(median_y))) / exp(avg(ln(median_2020))) * 100

Die Gemeinden, Gruppen und Aggregatwerte stehen im CSV-Download. Direkter Datenlink: https://grundradar.de/recherche/ahrflut-bodenrichtwerte-2026/daten-ahrtal-bodenrichtwerte.csv.

Jahrgänge und Stichtage

Für Rheinland-Pfalz liegen die Jahrgänge 2014, 2016, 2018, 2020, 2022, 2024 und 2026 vor. Die Bodenrichtwerte des Jahrgangs 2026 beziehen sich auf den Stichtag 01.01.2026.

Der erste verfügbare Wert nach der Flut ist der Jahrgang 2022. Amtliche Bodenrichtwerte folgen den tatsächlichen Kauffällen mit Verzögerung.

Robustheit

Die Regression prüft, ob der sichtbare Abstand zwischen den Gruppen mehr ist als Zufall. Sie schätzt den Fluteffekt aus dem prozentualen Wachstum jeder Gemeinde (logarithmisch berechnet) und rechnet dabei die unterschiedliche Ausgangshöhe der Werte heraus. Jede Gemeinde bleibt gleich gewichtet. Die Regression verändert die Daten also nicht, sondern prüft lediglich, ob der Unterschied statistisch belastbar ist.

Der geschätzte Fluteffekt liegt bei rund minus 13 Prozent und ist statistisch signifikant (p < 0,01). Er entspricht damit derselben Größenordnung wie der Abstand von -17,8 Indexpunkten in der Grafik. Über alle geprüften Abgrenzungen der Vergleichsgruppe hinweg bleiben Vorzeichen und Größenordnung stabil.

Spezifikationβ≈ %p
Alle nicht überfluteten Gemeinden (Hauptmodell)-0,133-12,5 %0,003
Wertgleiche Vergleichsgruppe (n=31)-0,109-10,3 %0,09
Größengleiche Vergleichsgruppe (n=40)-0,148-13,8 %0,004
Nur kleine Gemeinden-0,142-13,3 %0,006
Ohne die drei großen Städte-0,133-12,5 %0,004
Vortrend 2014–2020 (Placebo-Prüfung)-0,007-0,7 %0,82
Unmittelbarer Effekt 2020–2022-0,126-11,8 %0,001

Die Placebo-Prüfung misst die Vorentwicklung von 2014 bis 2020. Vor der Flut gibt es keinen Unterschied zwischen den Gruppen (p = 0,82). Die Zeile zum unmittelbaren Effekt zeigt, dass sich der Abstand schon im ersten Jahrgang nach der Flut öffnet.

Grenzen

Die Gemeinden werden gleich gewichtet. Eine kleine Gemeinde zählt im Index also genauso viel wie Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die großen Städte werden deshalb zusätzlich als Einzelverläufe gezeigt.

Die Vergleichsgemeinden liegen im selben Landkreis wie die Katastrophe. Ausweichnachfrage nach der Flut kann ihre Werte zusätzlich erhöht haben, und die Aufbauhilfe floss dem gesamten Kreis zu. Der Befund ist deshalb ein relativer Abstand innerhalb dieses Landkreises.

Nicht ausgewertet wurden Kaufpreise, Gebäudezustände, Versicherungsdaten oder individuelle Grundstückseigenschaften.

Zitieren

Stand: 07.07.2026. Diese Fassung beruht auf einer vollständig neu berechneten Datenbasis.

Zitieren als: grundradar (2026): Nach der Ahrflut: In den nicht überfluteten Nachbargemeinden stiegen die Bodenrichtwerte 79 Prozent schneller als in den überfluteten Ortschaften. Datenstand 02.07.2026. https://grundradar.de/recherche/ahrflut-bodenrichtwerte-2026

Häufige Fragen

Sind die amtlichen Bodenrichtwerte im Ahrtal nach der Flut gefallen?

Nein. Die amtlichen Wohn-Bodenrichtwerte stiegen auch in den überfluteten Gemeinden, nämlich um +22,4 % von 2020 bis 2026. Sie stiegen aber langsamer als in den nicht überfluteten Gemeinden desselben Landkreises, die um +40,2 % zulegten.

Was ist ein Bodenrichtwert?

Ein Bodenrichtwert ist ein amtlicher Durchschnittswert für den Boden in einer bestimmten Lage, angegeben in Euro je Quadratmeter. Er gilt für eine ganze Richtwertzone und ist kein Verkehrswert eines einzelnen Grundstücks.

Warum vergleicht die Studie das Wachstum und nicht die Preise selbst?

Der Index setzt beide Gruppen 2020 auf 100 und misst die Veränderung seit diesem Jahr. So zeigt die Grafik, wie schnell die Werte gewachsen sind, nicht den absoluten Preisunterschied zwischen den Gemeinden. Die Angabe „79 Prozent schneller“ bezieht sich deshalb auf die Wachstumsrate, nicht auf das Preisniveau.

Hat die Flut Grundstückswerte vernichtet?

Das lässt sich aus diesen Daten nicht sagen. Die Studie zeigt einen relativen Rückstand in den amtlichen Werten nach dem Ereignis. Sie misst keinen Wertverlust einzelner Grundstücke und keine Kaufpreise.

Warum nutzt die Studie ein geometrisches Mittel?

Das geometrische Mittel passt zu prozentualen Veränderungen und lässt sich nicht von einzelnen sehr teuren oder sehr günstigen Gemeinden verzerren. Es entspricht der logarithmischen Rechnung der Regression, die den Befund zusätzlich absichert.

Sind das Kaufpreise?

Nein. Bodenrichtwerte sind amtliche Lagewerte, die die Gutachterausschüsse (amtliche Gremien) aus tatsächlich gezahlten Kaufpreisen ableiten. Sie liegen fester und träger als der Markt und werden in Rheinland-Pfalz nur alle zwei Jahre veröffentlicht.

Widerspricht die Studie dem Grundstücksmarktbericht Rheinland-Pfalz?

Nein. Der Landesgrundstücksmarktbericht Rheinland-Pfalz beschreibt eine insgesamt wieder steigende Preisrichtung. Diese Auswertung misst den Abstand zwischen überfluteten und nicht überfluteten Gemeinden im selben Landkreis, nicht die allgemeine Richtung.

Downloads & Presse

Rohdaten und PDF enthalten die abgeleiteten Mediane je Gemeinde mit Quellenhinweis. Einzelne Zonen und Geometrien veröffentlichen wir nicht. Datenbasis sind die amtlichen Bodenrichtwerte aus BORIS Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Dateien
Zitierengrundradar (2026): Nach der Ahrflut: In den nicht überfluteten Nachbargemeinden stiegen die Bodenrichtwerte 79 Prozent schneller als in den überfluteten Ortschaften. Datenstand 02.07.2026. https://grundradar.de/recherche/ahrflut-bodenrichtwerte-2026
Quellen: BORIS Rheinland-Pfalz, BORIS Nordrhein-Westfalen, Copernicus EMSR517, gesetzliche Hochwassergefahrenkarten nach § 74 WHG. Die Zitierfassung steht in der Methodik.
LizenzCC BY 4.0Frei nutzbar mit Namensnennung grundradar.de und Verlinkung.