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Starkregenrisiko mit KOSTRA-DWD 2020 richtig einordnen

Ein KOSTRA-Wert gibt an, wie viel Regen in einer bestimmten Dauer an einem Ort statistisch einmal in einer bestimmten Zahl von Jahren fällt. Nach der Anwendungshilfe des Deutschen Wetterdienstes sind das am Wetterpark Offenbach in fünf Minuten einmal in fünf Jahren 11,2 Liter je Quadratmeter. Wohin dieses Wasser auf einem Grundstück fließt, zeigt der Wert nicht, denn das entscheiden Gelände, Gebäudeöffnungen und Entwässerung. Ob sich Wasser an einer Adresse sammelt, sehen Sie in der Starkregengefahrenkarte Ihrer Gemeinde oder in der Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie im Geoportal.

KOSTRA-Ausgabe

2020

Auswertung

1951–2020

Raster

5 × 5 km

1 mm Regen

1 l/m²

Risiken & Prüfung10 Min. LesezeitAktualisiert: 18.09.2026Autor: Lukas Brunner
Das Wichtigste im Überblick
Ein KOSTRA-Wert braucht drei Angaben. Dauer, Wiederkehrzeit und Regenhöhe gehören zusammen, denn 40 mm in einer Stunde sind etwas anderes als 40 mm an einem Tag.
Die Wiederkehrzeit ist eine Häufigkeit, kein Termin. Ein 5-jähriger Regen kann auch zweimal in einem Sommer fallen.
Das Raster ist grob. Ein KOSTRA-Rasterfeld misst 5 mal 5 Kilometer und enthält Hang, Mulde und Kuppe zugleich.
Eine Regenmenge ist keine Wassertiefe. Ob Wasser das Haus erreicht, hängt von Gelände, Zufluss und Gebäudeöffnungen ab.
Karten zeigen den Wasserweg. Starkregengefahrenkarten modellieren Überflutungstiefen und Fließwege, KOSTRA liefert nur den Regen.
Regenmenge mal Fläche ist keine Bemessung. Das Ergebnis ist der Regen auf dem Grundstück, nicht der Abfluss und nicht die nötige Speichergröße.
Warum reicht ein Regenwert für die Kaufprüfung nicht aus?

Ein Regenwert reicht für die Kaufprüfung nicht, weil derselbe Regen auf benachbarten Grundstücken ganz verschiedene Folgen hat. Ein Haus am Hang mit Kellerabgang zur Straße, das Nachbarhaus zwei Meter höher, eine Garage am tiefsten Punkt der Sackgasse: Alle drei liegen im selben KOSTRA-Rasterfeld und bekommen rechnerisch denselben Regen. Nach einem Gewitter kann trotzdem nur in einem Keller Wasser stehen, weil das Wasser dem Gelände folgt und nicht der Statistik.

Starkregen braucht deshalb eine eigene Prüfung neben dem Flusshochwasser. Er trifft auch Grundstücke fern von jedem Bach, und kurze, heftige Schauer überfordern Lichtschächte, Einfahrten und Kanäle, lange bevor ein Gewässer über die Ufer tritt. Der KOSTRA-Wert beschreibt dabei den Regen, die Karte und die Besichtigung den Weg des Wassers.

Datenbasis: KOSTRA-DWD-2020, Hinweiskarte Starkregengefahren (BKG), DIN 1986-100, Kommunale Starkregengefahrenkarten und Entwässerungssatzungen

Gleicher Regen, anderer WasserwegPrüfen Sie Lage, Richtwert und vorliegende Risikohinweise kostenlos.
Welche Information benötigen Sie für Ihre Frage?

Für die Kaufprüfung brauchen Sie vor allem eine Antwort darauf, wie Wasser zum Grundstück und ins Haus gelangt, und die gibt eine Starkregengefahrenkarte eher als ein KOSTRA-Wert. Warnung, Statistik, Karte und Planung handeln alle von Starkregen, beantworten aber verschiedene Fragen.

Erste Standortinformationen zu einer Adresse zeigt die kostenlose Grundstücksprüfung.

Vier Informationen zu Starkregen und wofür sie taugen
InformationWofür sie geeignet istWas sie nicht beantwortet
Unwetterwarnung des DWDAuf eine erwartete Wetterlage reagierenWie ein Grundstück dauerhaft entwässert werden muss
KOSTRA-DWD-2020Statistische Regenmengen für Dauer und Wiederkehrzeit ablesenWie hoch das Wasser an Tür oder Kellerfenster steht
Starkregengefahren- oder HinweiskarteModellierte Überflutungstiefen und Fließwege eines Regenszenarios sehenOb ein einzelnes Haus baulich geschützt ist
Entwässerungs- und GrundstücksplanungHöhen, Abflusswege, Anschlüsse und Schutzmaßnahmen beurteilenJedes künftige Unwetter sicher vorhersagen
Was ist KOSTRA-DWD-2020?

KOSTRA-DWD-2020 ist die Starkregenstatistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die für ganz Deutschland angibt, wie viel Regen in einer bestimmten Dauer statistisch wie oft fällt. Der Name steht für „Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung“. Die Jahreszahl 2020 bezeichnet das Ende der ausgewerteten Messreihen von 1951 bis 2020, nicht das Abrufdatum und keine Vorhersage.

Der DWD hat die Auswertung auf ein Raster übertragen, dessen Felder je 5 mal 5 Kilometer groß sind, also rund 25 Quadratkilometer. Für jedes Feld liegen Werte für 22 Regendauern von 5 Minuten bis 7 Tagen und für 9 Wiederkehrzeiten von 1 bis 100 Jahren vor. Gedacht sind sie vor allem für die Bemessung von Kanälen, Pumpwerken, Rückhaltebecken und Versickerungsanlagen. Der DWD nennt außerdem die Einordnung von Schadensereignissen.

Ein Rasterfeld kennt kein Flurstück. Ein Hanggrundstück, eine Mulde und eine Kuppe im selben Feld erhalten denselben Wert, obwohl sich das Wasser dort ganz unterschiedlich sammelt. Die Rasterdaten stellt der DWD seit Juli 2017 kostenlos und ohne Nutzungseinschränkungen bereit.

Wie lesen Sie einen KOSTRA-Wert?

Einen KOSTRA-Wert lesen Sie immer als Dreiergruppe aus Dauer D, Wiederkehrzeit T und Regenhöhe hN. Eine Zahl wie „11,2 mm“ sagt allein nichts, solange Dauer und Häufigkeit fehlen.

Der DWD erklärt das in seiner Anwendungshilfe zu KOSTRA-DWD-2020 an einem echten Rasterfeld, dem Wetterpark in Offenbach am Main. Die Regenspende in diesem Eintrag ist nur eine andere Einheit für dieselbe Menge. 11,2 Liter auf jedem Quadratmeter sind auf einem Hektar mit 10.000 Quadratmetern 112.000 Liter, und verteilt auf 300 Sekunden sind das 373,3 Liter je Sekunde. Wie viel davon abfließt, sagt keine der beiden Zahlen.

Zu jedem Wert gehört eine Unsicherheit, die umso größer ist, je seltener das Ereignis ist. Für den 100-jährlichen Fünf-Minuten-Regen nennt der DWD am selben Ort ± 12 %, für den 5-jährlichen ± 10 %.

Ein KOSTRA-Eintrag Zeile für Zeile: Wetterpark Offenbach
Angabe im DatensatzWertBedeutung
INDEX_RC160126Nummer des Rasterfelds (Zeile 160, Spalte 126), in dem der Standort liegt
Dauerstufe D5 MinutenZeitraum, über den der Regen gezählt wird
Wiederkehrzeit T5 Jahre (Spalte HN_005A)Diese Menge wird im Mittel einmal in fünf Jahren erreicht oder überschritten
Regenhöhe hN11,2 mm11,2 Liter Wasser auf jeden Quadratmeter in diesen fünf Minuten
Regenspende RN373,3 l/(s·ha)Dieselbe Menge als Liter je Sekunde auf einem Hektar, die Rechengröße für Kanäle
Unsicherheit UC± 10 %Toleranzbereich von rund 10,1 bis 12,3 mm
Was bedeutet ein 5-jähriges Regenereignis?

Ein 5-jähriges Regenereignis ist ein Regen, der an einem Ort im langjährigen Mittel einmal in fünf Jahren erreicht oder überschritten wird. Fachleute sprechen von Jährlichkeit oder Wiederkehrzeit, und der DWD betont, dass es sich um eine Häufigkeitsaussage handelt. Wann der nächste solche Regen fällt, bleibt ungewiss, er kann zweimal in einem Sommer kommen und danach lange ausbleiben.

Seltenere Regen bringen mehr Wasser, aber nicht beliebig viel mehr. In Offenbach fallen in fünf Minuten einmal im Jahr 7,2 Liter je Quadratmeter, einmal in fünf Jahren 11,2 Liter und einmal in hundert Jahren 20,5 Liter. Der Jahrhundertwert ist also nicht ganz doppelt so hoch wie der fünfjährliche.

Für Käufer zählt die Wiederkehrzeit, weil Kanäle nur bis zu einem bestimmten Regen ausgelegt sind. Die Stadt Rheinberg schreibt dazu, dass nicht jede Regenmenge durch den Kanal abgeleitet werden kann und das Netz bei Starkregen von Zeit zu Zeit bis zur Straßenoberfläche vollläuft.

Ein 100-jährlicher Regen ist außerdem nicht dasselbe wie ein 100-jährliches Hochwasser am Fluss (HQ100). Der eine beschreibt Niederschlag auf der Fläche, der andere den Hochwasserabfluss eines Gewässers. Beide Prüfungen gehören zusammen, und das Flusshochwasser behandelt der Hochwasser-Ratgeber.

KOSTRA-DWD-2020 Offenbach, Dauer 5 Minuten: 7,2 mm einmal im Jahr bis 20,5 mm einmal in 100 Jahren
Was ergibt Regenmenge mal Grundstücksfläche?

Regenmenge mal Grundstücksfläche ergibt die Wassermenge, die rechnerisch auf das Grundstück fällt, nicht die Menge, die abfließt oder gespeichert werden muss. Ein Millimeter Regen entspricht einem Liter je Quadratmeter.

Auf ein angenommenes Grundstück von 600 Quadratmetern in Offenbach fallen beim 5-jährlichen Fünf-Minuten-Regen 6.720 Liter, denn 11,2 Liter je Quadratmeter mal 600 Quadratmeter ergeben diese Menge. Beim 100-jährlichen Fünf-Minuten-Regen sind es 20,5 Liter je Quadratmeter und damit 12.300 Liter.

Diese Zahl ist die Ausgangsmenge, nicht das Ergebnis. Ein Teil versickert im Garten oder bleibt auf Flächen stehen, gleichzeitig kann Wasser von der Straße oder vom Hang zufließen. Die Rechnung „6.720 Liter Regen, also 6.720 Liter Speicher“ wäre deshalb keine brauchbare Planung für Rigolen, Zisternen oder Kanäle.

Was die Rechnung weiß und was nicht
GrößeIm Beispiel bekannt?Was sie bestimmt
Regen auf dem GrundstückJa, 6.720 Liter in 5 MinutenDie Ausgangsmenge
Zufluss von Straße und HangNeinKann die Wassermenge am Haus erhöhen
Versickerung und RückhaltNeinHängen von Boden, Versiegelung und Vorfeuchte ab
Leistung von Kanal und AnlagenNeinMuss technisch geprüft werden
Nötige SchutzmaßnahmeNeinErgibt sich erst aus der Fachplanung
Warum reagieren benachbarte Grundstücke trotz gleicher Rasterwerte unterschiedlich?

Benachbarte Grundstücke reagieren unterschiedlich, weil Wasser dem Gelände und den vorhandenen Abflusswegen folgt und nicht dem Rasterfeld. Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied entscheiden, wenn eine Haustür, ein Kellerfenster oder eine Garageneinfahrt tief liegt. Besonders heikel sind Grundstücke unter Straßenniveau und solche, die hangseitig von versiegelten Flächen angeströmt werden.

Auch Bauwerke lenken das Wasser. Eine Straße sammelt es und leitet es in eine abgesenkte Einfahrt, eine Mauer oder ein Bordstein ändert den Weg, und ein Durchlass unter einem Weg funktioniert nur, solange er nicht verstopft. Neue versiegelte Flächen in der Nachbarschaft können den Abfluss ebenfalls verändern. Aus dem bloßen Etikett „Neubaugebiet“ oder „Altbauviertel“ folgt aber noch keine bestimmte Gefahr.

Bei einem Grundstück in Hanglage lohnt der Blick auf die höher liegenden Flächen, denn von dort kommt der Zufluss.

Welche Karten zeigen mögliche Überflutungen?

Mögliche Überflutungen zeigen die Starkregengefahrenkarten der Gemeinden und die Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG), die es für Nordrhein-Westfalen und inzwischen für weitere Bundesländer gibt. Beide berechnen, wo sich Wasser bei einem angenommenen Regen sammelt und wie schnell es fließt.

Die BKG-Karte rechnet zwei Fälle durch. Der außergewöhnliche Regen fällt statistisch einmal in 100 Jahren und ist regional aus KOSTRA abgeleitet, der extreme Regen bringt 100 Millimeter in einer Stunde, auf 600 Quadratmetern also 60.000 Liter. Dargestellt sind die größte Überflutungstiefe, die Fließgeschwindigkeit und die Fließrichtung, berechnet auf einem Geländemodell mit einem Meter Rasterweite. Die Berechnung stammt aus dem Jahr 2024 und wird nicht fortgeführt.

Kanalnetz und Versickerung hat das BKG im Modell weggelassen, der gesamte Regen fließt dort an der Oberfläche ab. Wo es eine kommunale Karte gibt, soll nach dem Hinweis des Landes Nordrhein-Westfalen diese genutzt werden, weil sie die örtlichen Gegebenheiten genauer abbildet.

Fehlt für eine Gemeinde jede Karte, bleibt die Frage nach den Abflusswegen offen. Das ist kein Nachweis, dass Starkregen dort keinen Schaden anrichtet. Am Karteneintrag zum Grundstück klären Sie fünf Punkte.

  1. Welcher Regen wurde angenommen, mit welcher Wiederkehrzeit oder welcher Menge je Stunde?
  2. Welche Wassertiefe und welche Fließgeschwindigkeit zeigt die Karte am Grundstück?
  3. Auf welchem Geländemodell und welchen Gebäudedaten beruht die Berechnung?
  4. Sind Kanalisation, Durchlässe und Versickerung berücksichtigt?
  5. Welche Bereiche deckt die Karte nicht ab, und aus welchem Jahr stammt sie?
Was sollten Sie bei einer Besichtigung ansehen?

Bei einer Besichtigung sehen Sie sich zuerst von außen an, auf welchem Weg Wasser das Haus erreichen kann, und erst danach den Keller. Fragen Sie außerdem nach früheren Wassereintritten und danach, was seither geändert wurde, denn neuer Putz oder eine neue Pumpe erklärt weder die Ursache noch, ob die Lösung wirkt.

Rückstau aus dem Kanal ist ein eigener Weg. Staut sich das Abwasser im Kanal, steigt es in den Hausanschlussleitungen bis zur Rückstauebene, in der Regel der Höhe der Straßenoberfläche, und tritt über tiefer liegende Toiletten, Duschen oder Bodenabläufe aus. Eine Rückstausicherung verhindert das, hält aber kein Wasser auf, das oberirdisch durch eine Tür oder einen Lichtschacht strömt.

  • Gefälle: Fällt das Gelände zur Fassade, zur Kellertreppe oder zur Garagenabfahrt ab?
  • Lichtschächte und Kellereingänge: Die Stadt Rheinberg empfiehlt, sie mindestens 10 bis 15 Zentimeter über das umgebende Gelände hochzuziehen.
  • Zufluss: Gibt es höher liegende Nachbarflächen, Straßen oder Höfe, von denen Wasser kommen kann?
  • Spuren: Wasserränder, Schlammfahnen an Mauern, frisch erneuerter Putz im Keller oder provisorische Schwellen.
  • Rückstausicherung: Ist eine Hebeanlage oder ein Rückstauverschluss eingebaut, und gibt es Wartungsnachweise? Rheinberg nennt eine Wartung mindestens zweimal im Jahr.
  • Nachbarn: Waren Keller, Zufahrten oder Lichtschächte in der Straße schon betroffen?
Wer legt das Bemessungsereignis und die Schutzmaßnahmen fest?

Das Bemessungsereignis, also den Regen, gegen den eine Anlage ausgelegt wird, legt der Fachplaner nach den technischen Regeln und den Vorgaben der Gemeinde fest. Die Gemeinde bestimmt in ihrer Entwässerungssatzung, was Eigentümer selbst sichern müssen, etwa den Schutz gegen Rückstau aus dem Kanal.

Die Satzungen legen die Rückstauebene in der Regel auf die Höhe der Straßenoberfläche. In Rheinberg verlangt § 13 Abs. 3 der Entwässerungssatzung für alle Grundstücke eine Rückstausicherung. Fehlt sie, läuft bei vollem Kanal Abwasser in Räume, die tiefer liegen als die Straße.

Für größere Grundstücke kommt ein Nachweis hinzu. Bei mehr als 800 Quadratmetern befestigter und angeschlossener Fläche verlangt etwa die Stadtentwässerung Düsseldorf nach DIN 1986-100 einen Überflutungsnachweis. Er zeigt, dass das Grundstück bei Starkregen schadlos überfluten kann, das Wasser also auf dem Grundstück bleibt, ohne Gebäude oder Nachbarn zu schädigen.

Eine allgemeine Regel wie „immer den 100-jährlichen Regen nehmen“ gibt es nicht. Fragen Sie den Planer, welcher Regen angesetzt wurde, wohin das Wasser fließt, wenn die Anlage überlastet ist, und ob die Lösung Wasser auf Nachbargrundstücke verlagert.

Wann sollten Sie Starkregen tiefer prüfen lassen?

Tiefer prüfen lassen sollten Sie, sobald mehrere Signale zusammenkommen, etwa eine Senke, ein geplantes Untergeschoss, eine Zufahrt unter Straßenniveau, enge Nachbarbebauung, schlecht versickernder Boden oder eine unklare Ableitung des Oberflächenwassers. Gleiches gilt in Neubaugebieten, in denen die endgültige Straßenhöhe noch nicht hergestellt ist, denn dann steht auch die spätere Rückstauebene noch nicht fest.

Wollen Sie das Grundstück trotzdem kaufen, gehört die Entwässerung in die Verhandlung, mit Rückstaukonzept, Geländemodellierung, Notwasserwegen und gegebenenfalls einer angepassten Gebäudeplanung. Ein günstiger Kaufpreis gleicht ein ungelöstes Starkregenproblem selten aus, weil Nachrüsten im Bestand meist aufwendiger ist als Vorsorge vor Baubeginn. Bei Untergeschossen gehört die Radonvorsorge in dieselbe frühe Planung. Wie solche Risiken den Preis berühren, ordnen Sie mit der Grundstückswert-Ermittlung und der Bodenrichtwert-Übersicht ein.

Welche Unterlagen helfen vor dem Kauf?

Vor dem Kauf helfen vor allem eine Starkregenkarte, ein Lageplan mit Höhen, die Entwässerungsunterlagen und Angaben zu früheren Wassereintritten. Nicht jedes Grundstück braucht alle davon. Entscheidend ist, ob eine offene Frage das Vorhaben, die Nutzung oder die Finanzierung betrifft.

Die Übersicht der Grundstücksrisiken grenzt Starkregen von den übrigen Prüfaufgaben ab.

Unterlagen zur Starkregenprüfung und was sie klären
UnterlageWas Sie daraus klären
Starkregengefahren- oder HinweiskarteSzenario, modellierte Wassertiefe am Grundstück, Grenzen des Modells
Lageplan mit HöhenangabenGelände, Höhe von Türen, Lichtschächten und Zufahrten, mögliche Fließwege
EntwässerungsunterlagenAnschlüsse, Abläufe unter der Rückstauebene, Rückstausicherung
Angaben zu früheren EreignissenWo Wasser eingetreten ist und was danach geändert wurde
WartungsnachweiseOb Hebeanlage und Rückstauverschluss betriebsbereit gehalten werden
Technische StellungnahmeWelche Frage ein Fachplaner untersucht hat und welche offen bleibt
KOSTRA-Werte des RasterfeldsWelcher Regen für Dauer und Wiederkehrzeit angesetzt wurde

Häufig gestellte Fragen

Wo bekomme ich KOSTRA-Werte für eine bestimmte Adresse?

Die Rasterdaten stehen kostenlos im Climate Data Center des DWD. Das Rasterfeld zu einer Adresse ermitteln Sie mit der Datei „KOSTRA-DWD-2020_geog_Bezug.xlsx“ aus den Koordinaten in Dezimalgrad. Eine fertige Tabelle für einen Standort gibt der DWD auf formlose E-Mail-Anfrage gegen Entgelt heraus, laut Anwendungshilfe von 2023 für 70 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Kann ich einen Wert aus KOSTRA-DWD-2010 weiterverwenden?

Für neue Planungen in der Regel nicht, denn KOSTRA-DWD-2020 hat die ältere Fassung zum 01.01.2023 offiziell abgelöst. Ältere Fassungen nannten Werteklassen mit einer Spanne, die neue nennt rechnerische Einzelwerte mit eigener Unsicherheit. Schreibt ein Auftrag oder eine Satzung eine bestimmte Fassung vor, gilt diese, und Zahl und Beschriftung verschiedener Fassungen dürfen nie gemischt werden.

Warum nennt eine Unwetterwarnung andere Zahlen als die Planung?

Eine Unwetterwarnung des DWD bezieht sich auf eine erwartete Wetterlage und feste Warnkriterien. Eine Planung nutzt dagegen statistische Werte aus Messreihen über Jahrzehnte. Eine Warnstufe lässt sich deshalb nicht in eine Wiederkehrzeit übersetzen.

Kann Wasser in den Keller kommen, obwohl es gar nicht stark regnet?

Ja. Wird der Kanal mit Hochdruck gespült oder ist er verstopft, kann Abwasser über ungesicherte Abläufe unterhalb der Rückstauebene in den Keller gelangen, darauf weist etwa die Stadt Rheinberg hin. Eine funktionierende Rückstausicherung schützt auch in diesem Fall.

Was tun Sie bei einer aktuellen Starkregenwarnung?

Beachten Sie die amtlichen Warnungen und die Hinweise Ihrer Gemeinde. Betreten Sie bei Wassereintritt keinen überfluteten Keller, um Gegenstände zu retten, denn unter Wasser stehende Elektrik ist lebensgefährlich. Hinweise zur Vorsorge gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Fazit

KOSTRA-DWD-2020 beschreibt den statistischen Regen, die Starkregenkarte und die Besichtigung zeigen, wie dieses Wasser Gelände und Gebäude erreicht. Lesen Sie einen KOSTRA-Wert deshalb nie ohne Dauer, Wiederkehrzeit und Einheit und nie als Wassertiefe.

Für die Kaufentscheidung sind ein nachvollziehbarer Karteneintrag, die Höhen am Haus und klar benannte offene technische Fragen hilfreicher als ein pauschales Etikett „Starkregenrisiko hoch“. Benennen Sie die konkrete Frage und lassen Sie genau diese untersuchen, bevor der Kaufvertrag unterschrieben ist.

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