Das Wichtigste im Überblick
In beiden Gruppen beträgt die mediane Änderung +5 €/m²
Zwischen den Stichtagen 01.01.2024 und 01.01.2026 steigt der Median der Änderung je Bodenrichtwertzone, kurz Zone, in beiden Gruppen um +5 €/m². Der Median von +5 €/m² bedeutet: Die eine Hälfte der Zonen stieg stärker, die andere schwächer.
Der Gruppenmedian der überfluteten Zonen stieg von 85 auf 90 €/m², der Gruppenmedian der Vergleichszonen blieb bei 95 €/m².
Die Mittelwerte weichen um −1,759 €/m² voneinander ab. Rechnet man die Gemeinden als Gruppen, kann dieser Unterschied Zufall sein (p = 0,104).
Im ganzen Saarland wurden zum 01.01.2026 nur drei Zonen herabgesetzt. Bei dieser Grundrate wären unter den überfluteten 0,37 zu erwarten, zu wenig für einen Gruppenvergleich.
Der bedingte Rückstand der überfluteten Zonen beträgt −0,571 €/m² und ist statistisch nicht auffällig (p = 0,147).
Trockene Zonen im Umkreis von 250 Metern liegen mit −1,505 €/m² weiter zurück als die überfluteten. Der Rückstand hängt damit eher an der Tallage als an der Flut.
Beide Gruppen bewegen sich seit 2014 in denselben diskreten Euro-Schritten
Median des Bodenrichtwerts in Euro je Quadratmeter, Wohnbauland.
Überflutet: positive Überlappung zur modellierten EMSN205-Flutfläche
Abbildung 1: Median des Bodenrichtwerts in €/m², Stichtage 01.01.2014 bis 01.01.2026
| 01.01.2014 | 65 | 65 | 192 |
| 01.01.2016 | 70 | 70 | 196 |
| 01.01.2018 | 75 | 75 | 204 |
| 01.01.2020 | 80 | 85 | 218 |
| 01.01.2022 | 85 | 90 | 235 |
| 01.01.2024 | 85 | 95 | 238 |
| 01.01.2026 | 90 | 95 | 238 |
Der Verlauf steht in Euro je Quadratmeter, nicht als Index. Auf 2024 = 100 umbasiert läge die überflutete Gruppe 2026 bei 105,9 und die Vergleichsgruppe bei 100,0, allein weil der überflutete Korb 10 €/m² günstiger startet. Derselbe Schritt von 5 €/m² ergibt auf einer kleineren Basis einen größeren Prozentwert.
Datenbasis: Zonen, Flutfläche und Stichtage
Drei Begriffe trägt diese Auswertung durchgehend:
- Ein Bodenrichtwert ist ein amtlicher durchschnittlicher Lagewert des Bodens in Euro je Quadratmeter.
- Eine Bodenrichtwertzone fasst Grundstücke mit vergleichbaren Merkmalen zusammen.
- Der Wert gilt nicht automatisch für jedes einzelne Grundstück innerhalb der Zone.
Die Auswertung umfasst die amtlichen Stichtage, also die Bewertungszeitpunkte 01.01.2014, 01.01.2016, 01.01.2018, 01.01.2020, 01.01.2022, 01.01.2024 und 01.01.2026. Herausgeber sind das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung (LVGL) Saarland und die Gutachterausschüsse, amtliche unabhängige Bewertungsgremien.
Die Flutfläche stammt aus Copernicus EMSN205. Das Produkt modelliert die maximale Ausdehnung des Pfingsthochwassers an Blies und Saar. Der verwendete lokale Layer P01 MaxFloodExtent umfasst 3.688 Polygone mit 7.016,4 Hektar.
Zur Aktivierung selbst:
- Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe forderte sie am 09.09.2024 an, unter dem Titel „Retrospective flood temporal analysis in Saarland, Germany“.
- Die Auswertung nutzt den lokalen Layer im Koordinatensystem EPSG:25832.
- Copernicus bezeichnet den Hochwassertyp als „Inland flood“ und die Erkennungsmethode als „Modelling“.
- Das Tiefdruckgebiet Katinka führte am 17. und 18.05.2024 zu Überschwemmungen an Blies und Saar.
Ausgewertete Zonen und räumliche Zuordnung
Die Flächenübereinstimmung (englisch: Intersection over Union, IoU) bezeichnet den Anteil der gemeinsamen Fläche an der vereinigten Fläche zweier Zonen. Die Mindestgrenze beträgt 0,50. Der Median von 0,971 zeigt eine sehr hohe geometrische Übereinstimmung der gepaarten Zonen.
Ergebnisse: gleiche Medianänderung in Euro, unterschiedliche Prozentsätze
Die Medianänderung ist in Euro gleich, prozentual aber unterschiedlich
Die niedrigere Ausgangsbasis der überfluteten Zonen lässt denselben 5-Euro-Betrag prozentual größer erscheinen.
Überflutet: positive Überlappung zur modellierten EMSN205-Flutfläche
Abbildung 2: Median der zonenweisen Änderungen zwischen den Stichtagen 01.01.2024 und 01.01.2026
| Überflutet | 85 €/m² | +5,56 % | +5 €/m² |
| Nicht überflutet | 95 €/m² | +5,26 % | +5 €/m² |
| Differenz | 10 €/m² | +0,29 Prozentpunkte | 0 €/m² |
Dieselbe Änderung von 5 €/m² ergibt in beiden Gruppen einen anderen Prozentwert: 5,56 Prozent bei den überfluteten Zonen, 5,26 Prozent in der Vergleichsgruppe. Der Grund steht in der Ausgangshöhe, nicht in der Flut.
Median und Mittelwert nebeneinander:
Die Mediane sind mit +5,0 €/m² identisch.
Die Mittelwerte unterscheiden sich um −1,759 €/m², nämlich +4,626 gegenüber +6,385.
Rechnet man die Gemeinden als Gruppen, ist dieser Unterschied nicht signifikant (p = 0,104).
Der p-Wert gibt an, wie häufig ein solcher Unterschied allein durch Zufall entstünde.
Werte über 0,05 gelten als unauffällig.
Der Prozentabstand von 0,30 Prozentpunkten ist deshalb mit den unterschiedlichen Ausgangsniveaus vereinbar. Zwei Gründe:
- Die Gutachterausschüsse setzen die Werte in diskreten Schritten fest.
- Bei einem niedrigeren Ausgangswert entspricht derselbe Eurobetrag prozentual einer größeren Änderung.
In den meisten Preisbändern beträgt die Medianänderung in beiden Gruppen denselben Euro-Betrag
Medianänderung 2024–2026, getrennt nach dem Bodenrichtwert 2024.
Überflutet: positive Überlappung zur modellierten EMSN205-Flutfläche
Abbildung 3: Änderungen nach Bodenrichtwert am 01.01.2024 bis zum Stichtag 01.01.2026
| 0–60 € | 37 | 197 | 0 | 0 | 0 Prozentpunkte | 0 €/m² | 0 €/m² |
| 60–80 € | 51 | 251 | 6,67 | 6,67 | 0 Prozentpunkte | +5 €/m² | +5 €/m² |
| 80–100 € | 60 | 271 | 5,88 | 5,56 | +0,33 Prozentpunkte | +5 €/m² | +5 €/m² |
| 100–130 € | 46 | 278 | 4,88 | 5 | −0,12 Prozentpunkte | +5 €/m² | +5 €/m² |
| 130–180 € | 27 | 171 | 6,45 | 5,88 | +0,57 Prozentpunkte | +10 €/m² | +10 €/m² |
| 180 € und mehr | 17 | 117 | 6,67 | 7,32 | −0,65 Prozentpunkte | +15 €/m² | +15 €/m² |
Kein Preisband zeigt einen Abstand über 0,65 Prozentpunkte, und die Vorzeichen wechseln. Der Medianbetrag in Euro ist in jedem Band identisch.
Flutgrenzen, Änderungsrichtung und Vergleich innerhalb von Gemeinden
Bei höherer Flächenüberlappung bleiben deutlich weniger Zonen in der überfluteten Gruppe
Überlappung einer Bodenrichtwertzone mit der modellierten maximalen Flutausdehnung.
Überflutet: positive Überlappung zur modellierten EMSN205-Flutfläche
Abbildung 4: Umfang der überfluteten Gruppe beim Flutereignis 17./18.05.2024 im Panel der Stichtage 01.01.2024 und 01.01.2026
| jede Überschneidung | 38 | 238 | 15,6 % |
| mindestens 1 % | 35 | 183 | 12 % |
| mindestens 5 % | 30 | 133 | 8,7 % |
| mindestens 25 % | 17 | 51 | 3,4 % |
| mindestens 50 % | 13 | 29 | 1,9 % |
Bei strengeren Überlappungsschwellen umfasst die überflutete Gruppe rasch weniger Zonen. Bei mindestens 50 Prozent Überlappung bleiben 29 Zonen, und ihre mediane Änderung beträgt 6,25 Prozent. In einer Gemeinde, die die Flutfläche berührt, sind im Median 10,2 Prozent ihrer Zonen überflutet, im höchsten Fall 25,0 Prozent. Auch die am stärksten betroffene Gemeinde behält damit eigene Vergleichszonen.
Diese 29 Zonen beschreiben, was die Ausschüsse getan haben. Ob die Flut der Grund war, lässt sich daraus nicht sagen.
Auch in der am stärksten betroffenen Gemeinde bleibt eine interne Vergleichsgruppe erhalten.
Richtung der nominalen Änderungen
Verteilung der nominalen Änderungen von 2024 bis 2026.
Überflutet: positive Überlappung zur modellierten EMSN205-Flutfläche
Abbildung 5: Richtung der nominalen Änderungen zwischen den Stichtagen 01.01.2024 und 01.01.2026
| Überflutet | 238 | 63 % | 37,0 % | 0 % | 0 |
| Nicht überflutet | 1.285 | 68,8 % | 31,1 % | 0,2 % | 2 |
Warum aus der Richtung der Änderungen kein Befund folgt:
Zum Stichtag 01.01.2026 wurden im gesamten Saarland drei Zonen herabgesetzt, verteilt auf drei von 52 Gemeinden.
In der Vergleichsgruppe sind es zwei von 1.285 Zonen.
Bei dieser Grundrate wären unter den 238 überfluteten Zonen 0,37 Herabsetzungen zu erwarten.
Dass keine einzige vorkam, ist von diesem Erwartungswert nicht zu unterscheiden (exakter Test nach Fisher, p = 0,71).
Um einen Unterschied zwischen beiden Gruppen sicher sagen zu können, sind 238 überflutete Zonen bei dieser Grundrate zu klein.
Ohne vorab festgelegte Effektgröße lässt sich keine erforderliche Zonenzahl angeben.
Ein Vergleich auf Gemeindeebene wäre zu grob. Drei Zahlen zeigen warum:
- Die Flutfläche berührt Zonen in 38 der 49 Gemeinden der Auswertung.
- Nur 11 Gemeinden enthalten ausschließlich Vergleichszonen.
- Nach Zonenpaarung und Ausschluss bleiben 49 Gemeindegruppen, davon 38 mit mindestens einer überfluteten Zone und 18 mit beiden Gruppen.
Deshalb liegt die Hauptanalyse auf Zonenebene.
Was der bedingte Schätzwert sagt und was nicht:
Der bedingte Rückstand von −0,571 €/m² ist statistisch nicht auffällig (p = 0,147).
Das 95-Prozent-Intervall reicht von −1,343 bis +0,201 €/m².
Trockene Zonen im Umkreis von 250 Metern um die Überflutungsfläche liegen mit −1,505 €/m² (p = 0,014) weiter zurück als die tatsächlich überfluteten.
Der Rückstand hängt damit eher daran, wo ein Gebiet im Tal liegt, als daran, ob das Wasser es 2024 erreicht hat.
Tallage, benachbartes Hochwasserrisiko, eine mögliche Fehlklassifikation der Modellfläche und ein Markteffekt lassen sich hier nicht voneinander trennen.
Regressionsspezifikationen, vollständiges Saarland-Panel
| Logarithmische Änderung | keine | -1,007 | 0,784 | 0,199 |
| Logarithmische Änderung | Gemeinde | -0,43 | 0,184 | 0,019 |
| Änderung in €/m² | keine | -2,117 | 1,107 | 0,056 |
| Änderung in €/m² | Gemeinde | -0,571 | 0,394 | 0,147 |
Regressionsspezifikationen in der Saarland-Auswertung
| Geometriepaarung | 3.328 | −0,716 €/m² | 0,003 |
| Zonenschlüssel | 3.328 | −0,504 €/m² | 0,114 |
Ahr- und Grenzvergleiche: dieselbe Methode, eigene Datensätze
Die Ahr-Validierung zeigt, wie stark das Ergebnis vom Vergleich innerhalb von Gemeinden abhängt
Externe Validierung mit einem eigenen Datensatz. Diese Werte gehören nicht zur Saarland-Auswertung.
Überflutet: positive Überlappung zur beobachteten EMSR517-Flutfläche; eigener Datensatz
Abbildung 6: Ahr-Validierung mit eigenem Datensatz zwischen den Stichtagen 01.01.2020 und 01.01.2026
| Ohne Gemeinde-Effekte | −9,469 Prozentpunkte | 0,021 | 254 Zonen |
| Mit Gemeinde-Effekten | −1,942 Prozentpunkte | 0,573 | 4 von 49 Gemeinden mit überfluteten Zonen |
Eine separate Ahr-Auswertung prüft, ob dieselbe Methode einen bekannten Unterschied auch in einem anders aufgebauten Datensatz erfasst.
- Bodenrichtwerte: BORIS Rheinland-Pfalz.
- Flutfläche: beobachtet, aus Copernicus EMSR517.
- Ausschlüsse: Bad Breisig und Remagen, entsprechend der Ahr-Studie.
- Umfang: 254 Zonen, davon 33 überflutet.
Zwischen den Stichtagen 01.01.2020 und 01.01.2026 beträgt der Median der zonenweisen prozentualen Änderungen 23,44 Prozent in der überfluteten und 36,11 Prozent in der nicht überfluteten Gruppe.
Die veröffentlichten Gemeindemediane der Ahr-Studie betragen +22,4 beziehungsweise +40,2 Prozent. Ohne Gemeinde-Effekte beträgt der Schätzwert hier −9,469 Prozentpunkte, der bekannte Abstand ungefähr −13 Prozentpunkte. Im eigenen Ahr-Datensatz liegen die überfluteten Zonen in nur 4 von 49 Gemeinden, und genau daran zeigt sich, wie stark der Vergleich innerhalb einer Gemeinde das Ergebnis verschiebt.
Ahr-Prüfungen vor der Flut, eigener Datensatz
Ein weiterer, eigener Grenzdatensatz vergleicht das Saarland mit angrenzenden Gebietskörperschaften in Rheinland-Pfalz. Die Schätzwerte bleiben je nach Kontrollraum klein und statistisch unauffällig.
- Paarung: über den Zonenschlüssel, weil Rheinland-Pfalz nur für 2020 und 2026 Geometrien bereithält. Der Wert zum 01.01.2024 wird der Zone von 2026 zugeordnet.
- Quellen: die mit Erlaubnis für diese Ausgabe genutzten Saarland-Daten des Landesamts für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung und der Gutachterausschüsse sowie BORIS Rheinland-Pfalz nach dessen Nutzungsbedingungen.
Grenzvergleich, eigener Datensatz; Werte gehören nicht zum Panel von 1.523 Zonen
Der Saarland-Teil dieser Auswertung umfasst 3.340 Paare, davon 240 überflutete. Zwischen den Stichtagen 01.01.2024 und 01.01.2026 beträgt der Median der zonenweisen Änderungen +5,00 Prozent und +5 €/m². Die sieben angrenzenden Gebietskörperschaften sind Trier-Saarburg, Birkenfeld, Kusel, Südwestpfalz, Bernkastel-Wittlich, der Landkreis Kaiserslautern und die kreisfreie Stadt Zweibrücken.
Abgrenzung der Vergleichsgruppe: was der Rundfunk offengelegt hat
Auf Nachfrage hat der Sender Folgendes bestätigt:
Der Saarländische Rundfunk hat uns auf Nachfrage bestätigt, dass seine Liste der Schwerpunkte aus der eigenen Berichterstattung von 2024 stammt und auch Schäden durch Starkregen umfasst.
Die Copernicus-Fläche kartiert die Ausuferung der Gewässer.
Schäden durch Starkregen und Rückstau erfasst sie nicht.
Grundstücke, die 2024 Wasser im Keller hatten, ohne dass ein Gewässer über die Ufer trat, wären sonst in der Vergleichsgruppe gelandet.
Wir haben daraus eine Konsequenz gezogen:
Die Vergleichsgruppe enthält keine Zone mehr, die in einer vom Rundfunk genannten Gemeinde liegt.
Sie umfasst 1.285 statt zuvor 3.100 Zonen, denn die Auswertung vom 14.08.2026 war weiter gefasst.
Die Abgrenzung der betroffenen Zonen bleibt unverändert bei der Copernicus-Fläche, weil eine Liste aus Schadensmeldungen sich nicht einheitlich auf alle Zonen anwenden lässt.
Diese Entscheidung hat einen Preis:
Für 120 der 238 betroffenen Zonen gibt es in der eigenen Gemeinde nun keine Vergleichszone mehr.
Sie tragen zur bedingten Schätzung nichts mehr bei, weil der Gemeindeeffekt sie vollständig aufnimmt.
Der Median-Vergleich nutzt weiterhin jede Zone.
Dieselbe Rechnung vor der Flut
Gleiche Schätzgleichung auf drei Intervalle, Paarung über den Zonenschlüssel
Dieselbe Rechnung auf Zeiträume vor der Flut angewendet ergibt Werte derselben Größenordnung wie das Flutintervall. Kein Intervall ist statistisch auffällig, auch das Flutintervall nicht. Diese Vergleichsrechnungen ordnen die Zonen wegen der Datenlage älterer Stichtage über den Zonenschlüssel einander zu und nicht über die Geometrie wie die Hauptrechnung. Sie sind deshalb eine ergänzende Plausibilitätsprüfung, kein Beweis.
Die Liste des Rundfunks ist unabhängig von unseren Daten entstanden. Als eigene Abgrenzung gerechnet führt sie zum selben Ergebnis: 1.935 Zonen in 23 Gemeinden, Median +5,0 €/m², gegenüber +5,0 €/m² im übrigen Land.
Was die Auswertung nicht zeigt: Ursachen und Werte einzelner Grundstücke
Es liegt erst ein Stichtag nach dem Ereignis vor. Der Stichtag 01.01.2026 liegt rund 19 Monate nach dem Hochwasser. Anders als die Ahr-Studie enthält die Saarland-Auswertung noch keine drei Stichtage nach der Flut.
Die Flutfläche ist berechnet, nicht beobachtet. Copernicus bezeichnet das Hauptprodukt EMSN205 selbst als Modellierung. Ein Metadatenfeld trägt zudem das offenkundig unpassende Ereignisdatum 18.05.2022. Maßgeblich sind Aktivierung, Bilddaten, Dateinamen und Produkt zum Ereignis vom 17. und 18.05.2024.
Der Turnus 2026 ist im Saarland weitgehend ein gemeindeweiter Pauschalschritt:
Im Median erhalten 83,2 Prozent der Zonen einer Gemeinde denselben Euro-Schritt, landesweit kommen nur 22 verschiedene Schritte vor, und 72 Prozent aller Zonen erhalten entweder 0 oder +5 €/m².
Neun der 52 Gemeinden haben keine einzige Zone verändert.
Eine Aussage darüber, wie die Ausschüsse speziell mit überfluteten Zonen umgegangen sind, lässt dieses Instrument nicht zu.
Die Gemeinde ist als Vergleichsrahmen grob. Sie kann lokale Besonderheiten nicht vollständig auffangen:
- In 31 von 49 Gemeinden ist nur eine der beiden Gruppen vertreten.
- In 12 Gemeinden blieb jede Zone unverändert.
- Von Saarbrücken bleiben 9 überflutete Zonen in der Auswertung, alle unverändert.
Die Studie enthält weder Kaufpreise noch Einzelwerte. Bodenrichtwerte sind keine Kaufpreise und kein Verkehrswert eines Grundstücks. Der Entwicklungszustand beschreibt den planungs- und erschließungsrechtlichen Zustand eines Grundstücks. Unterschiedliche Zustände dürfen nicht ungeprüft miteinander verglichen werden.
Vollständige Methodik
Quellen und Rechte
- Bodenrichtwerte: Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung (LVGL) Saarland und die Gutachterausschüsse. Die Nutzung für diese Ausgabe wurde Grundradar gestattet, und der Herausgeber bestätigte die Erlaubnis am 14.08.2026.
- Flutfläche: Copernicus Emergency Management Service (© 2024 European Union), EMSN205. Verwendet wird der Layer MaxFloodExtent aus dem gelieferten Geodatenpaket P01 „Temporal analysis of occurred flood event“. Die Rohgeodaten werden nicht mitveröffentlicht.
- Eingangsdaten: Die amtlichen Quellen behalten ihre eigenen Nutzungsbedingungen.
- Gesetzlicher Rahmen: § 196 Baugesetzbuch und § 16 Immobilienwertermittlungsverordnung.
Geometrie und Panelbildung
Die Panelbildung läuft in vier Schritten:
- Für 2024 und 2026 liegen die Zonen-Geometrien vor. Ältere Stichtage werden über den Zonenschlüssel verbunden. Eine vermeintlich historische Geometrie wird nicht rekonstruiert.
- Jede Zone von 2024 wird der Zone von 2026 mit der größten Flächenüberlappung zugeordnet.
- Paare unter einer Flächenübereinstimmung von 0,50 werden ausgeschlossen. So entstehen zunächst 3.338 Paare aus 3.549 Zonen 2024 und 3.554 Zonen 2026.
- Die Vergleichszonen in den vom Rundfunk genannten Gemeinden entfallen. Es bleiben 1.523 Paare.
Behandlung und Zielgrößen
Als überflutet gilt in der Hauptanalyse jede Zone mit einer positiven Überlappung zur modellierten Flutfläche. Zur Überprüfung dienen zusätzlich die Schwellen 1, 5, 25 und 50 Prozent. Ausgewertet werden die prozentuale und absolute Änderung des Bodenrichtwerts zwischen 01.01.2024 und 01.01.2026, ein fester Langzeitindex sowie die Richtung der Änderung.
Statistische Spezifikation
- Die Regression vergleicht überflutete und nicht überflutete Zonen, einmal ohne und einmal mit Gemeinde-Effekten.
- Die Gemeinde-Effekte vergleichen Zonen innerhalb derselben Gemeinde und nehmen alle zeitlich konstanten Gemeindeunterschiede auf.
- Standardfehler werden auf Ebene der 49 Gemeinden gruppiert.
- Ein kleiner p-Wert belegt nicht automatisch eine sachlich große oder ursächliche Wirkung.
Reproduzierbarkeit
Der eingefrorene JSON-Datensatz liefert die Saarland-Auswertung der Veröffentlichung. Das Prüfprogramm berechnet die Rohgeometrien nicht erneut. Es prüft Panelsummen, Preisband-Summen, den langen Verlauf und den Regressionsumfang und vergleicht den öffentlichen JSON- und CSV-Download bytegenau. Die Ahr- und Grenzwerte sind als eigene Auswertungen gekennzeichnet und gehören nicht zur Saarland-Auswertung.
Fazit: Den Verlauf als regionales Signal lesen
- Lesen Sie die Ergebnisse als beschreibendes Signal für die amtlichen Bodenrichtwerte zwischen 01.01.2024 und 01.01.2026.
- Prüfen Sie für eine konkrete Zone die verwendete Flutflächen-Definition, den Stichtag und den Entwicklungszustand.
- Leiten Sie daraus weder einen Verkehrswert des einzelnen Grundstücks noch eine kausale Wirkung des Hochwassers ab.
Häufige Fragen
Hat das Pfingsthochwasser die Bodenrichtwerte nicht verändert?
Die Studie belegt nicht, dass das Pfingsthochwasser die Bodenrichtwerte unverändert ließ. Für ein einzelnes Grundstück wären zusätzlich seine genaue Lage im Überschwemmungsgebiet, die Grundstücksmerkmale und ein eigener Marktvergleich zu prüfen.
Warum sind 5 Euro in beiden Gruppen unterschiedliche Prozentsätze?
Die Ausgangsmediane unterscheiden sich. 5 Euro auf 85 €/m² sind 5,88 Prozent, und der Median der einzelnen Zonenänderungen beträgt 5,56 Prozent. Bei einem Ausgangsmedian von 95 €/m² entsprechen 5 Euro 5,26 Prozent, und genau das ist der Median der Zonenänderungen in der Vergleichsgruppe.
Sind das Marktpreise?
Nein, die Studie enthält keine Marktpreise. Die Gutachterausschüsse leiten Bodenrichtwerte aus ihrer Kaufpreissammlung ab, aber ein Zonenwert entspricht keinem konkreten Verkaufspreis. Für einen Marktpreis braucht es einen Vergleich mit tatsächlich verkauften, hinreichend ähnlichen Grundstücken.
Warum gilt Saarbrücken nicht als eigene Kontrolle?
Die modellierte Flutfläche umfasst nur 1,5 Prozent des Saarbrücker Stadtgebiets. Eine Einstufung der gesamten Stadt als nicht überflutet würde daher Zonen falsch zuordnen. Die 9 überfluteten Zonen, die von Saarbrücken in der Auswertung bleiben, sind alle unverändert und sagen deshalb nichts über die Richtung einer Änderung.
Glossar der Fachbegriffe
Wer über die Sprungnavigation mitten in den Text einsteigt, findet hier die zentralen Begriffe an einer Stelle.
Die Begriffe dieser Auswertung
| Bodenrichtwert | Amtlicher durchschnittlicher Lagewert des Bodens in Euro je Quadratmeter, abgeleitet aus der Kaufpreissammlung. Kein Kaufpreis und kein Verkehrswert eines einzelnen Grundstücks. |
| Bodenrichtwertzone, kurz Zone | Das Gebiet, für das ein Bodenrichtwert gilt. Es fasst Grundstücke mit vergleichbaren Merkmalen zusammen. Der Wert gilt nicht automatisch für jedes einzelne Grundstück darin. |
| Stichtag | Der amtliche Bewertungszeitpunkt, hier jeweils der 1. Januar. Die Gutachterausschüsse im Saarland beschließen alle zwei Jahre. |
| Gutachterausschuss | Amtliches unabhängiges Gremium, das die Bodenrichtwerte beschließt. |
| Median | Der Wert in der Mitte, wenn man alle Zonen der Größe nach ordnet. Die eine Hälfte liegt darüber, die andere darunter. Nicht dasselbe wie der Durchschnitt. |
| Vergleichsgruppe | Die 1.285 Zonen, die weder von der modellierten Flutfläche berührt werden noch in einer vom Rundfunk genannten Gemeinde liegen. |
| p-Wert | Gibt an, wie häufig ein gemessener Unterschied allein durch Zufall entstünde. Werte über 0,05 gelten als unauffällig, belegen aber nicht, dass es keinen Unterschied gibt. |
| Gemeinde-Effekte | Ein Rechenschritt, der nur Zonen innerhalb derselben Gemeinde miteinander vergleicht. Alles, was eine Gemeinde dauerhaft von einer anderen unterscheidet, fällt damit heraus. |
| Flächenübereinstimmung | Der Anteil der gemeinsamen Fläche an der vereinigten Fläche zweier Zonen, englisch Intersection over Union. Ein Wert von 1,0 bedeutet deckungsgleich. |
| Entwicklungszustand | Der planungs- und erschließungsrechtliche Zustand eines Grundstücks. Unterschiedliche Zustände dürfen nicht ungeprüft miteinander verglichen werden. |
Downloads und Presse
Die Zahlen, die veröffentlichte Langfassung und die Pressefassung stehen dauerhaft unter derselben Studienadresse bereit. Die sechs Grafiken lassen sich jeweils direkt als SVG oder druckfähige PNG-Datei laden.
grundradar (2026): Amtliche Bodenrichtwerte im Saarland 2014–2026: die Entwicklung nach dem Pfingsthochwasser. Datenstand 14.08.2026. https://grundradar.de/recherche/saarhochwasser-bodenrichtwerte-2026